Kurt Erni: Ueli, du arbeitest sehr genau nach der Natur, bist viel im Freien. Engt dich die Arbeit im Atelier ein. Brauchst du die unmittelbare Stimmung draussen, um sie auch auf dem Bild zu bannen?

UB: Ich bin sehr gern in der Natur. Ihre Schönheit und Harmonie im Grossen und im Kleinen fasziniert mich. Im Freien zu sein, bedeutet für mich, frei und verbunden mit dem Ort zu sein,. Zum Malen hocke ich mich meist auf dem Boden, suche das Wasser wenn möglich in der Umgebung und nehme die Energie des Ortes mit allen Sinnen auf. In diesen Momenten tauche ich ein in den kreativen Prozess und nehme die Umgebung nur noch am Rande wahr. Dabei kann es zu tollen Begegnungen kommen, wie kürzlich im Mettelimoos (ob Entlebuch), als plötzlich ein Reh nahe vor mir äste und sich durch meine Anwesenheit nicht stören liess.

Um im Atelier die gleiche Ausdruckskraft in meine Bilder zu bringen, verbinde ich mich oft vorher mental mit einem Ort draussen. Beim Malen im Atelier bin ich aber leichter ablenkbar. Zudem ist mein „Atelier“ einfach ein Zimmer in unserer Wohnung und ziemlich klein und tatsächlich etwas einengend.

 

Du lässt dir zum Teil von Schwingungen und Stimmungen die Farben bestimmen. Was fühlst du, wenn du ein Bild auf diese Weise angegangen bist und es nachher fertig hast?

Bilder, die so entstehen, entstehen aus einem Guss. Während des Malens überlege ich kaum, wo welche Farben zu setzen sind. Doch wenn ich die Pinsel weglege, ist das Bild fertig und stimmig, das Bild gefällt mir. In diesem Moment fühle ich Dankbarkeit und Zufriedenheit. Diese Art von Malen ist nicht ermüdigend, sondern gibt zusätzlichen Power.

 

Wirst du mit deinen Bildern überhaupt fertig, oder musst du auch manchmal sagen: So jetzt wird nicht mehr daran gearbeitet, damit du dich nicht im Detail verlierst?

Diese Gefahr besteht tatsächlich. Gerade beim Aquarellieren im Freien muss ich aufpassen, dass ich nicht zu lange an einem Bild arbeite. Zu viele Schichten übereinander machen die Farbe stumpf und matt. Zu genaue Arbeit im Detail lässt die lebendige Farbwirkung schrumpfen. Zudem verändert sich die Stimmung z.B. durch Wolken ständig. Auch das Wandern der Sonne und damit des Schattens.

Beim Malen mit Acryl und mit Pigmenten jedoch dauert der Malprozess oft mehrere Wochen an, bis ich mit einem Bild zufrieden bin. Hier ist es wirklich schwierig, den Zeitpunkt des Aufhörens zu finden.

 

Du hast im letzten Jahr selber Farben aus der Natur hergestellt, machst du damit weiter?

Ja, in diesem Frühling habe ich weitere „Pflanzenpigmente“ produziert. Leider ist die Ausbeute sehr klein, für einen Kaffeelöffel des Farbpulvers koche ich jeweils eine Pfanne voll Pflanzenmaterial aus. So ist zwar eine kleine Farbensammlung in Gewürzdosen entstanden, jedoch ist die Menge noch zu bescheiden, um damit zu arbeiten. Zudem sei die Lichtbeständigkeit der organischen Pigmente nicht sehr gross (gemäss Literatur).

Um dennoch einen Schritt in Richtung Ganzheitlichkeit zu machen, habe ich begonnen, Magermilch als Bindemittel für gekaufte Pigmente zu verwenden und damit auf Leinwand zu malen. Dieser Leim (Kasein) ist sehr beständig und lässt die Farben schön leuchten.

 

Wer hat dich zum Malen gebracht, oder besser formuliert: Welches war dein Schlüsselerlebnis?

Als Kind malte ich zusammen mit meiner Schwester und einer Cousine bei einer Tante (Bauernmalerei). Zudem durften wir zuhause häufig auf die grossen Kartonkisten der Schuhverpackungen zeichnen und malen, was viel Freude machte. Später gestaltete ich feinste Stern-Scherenschnitte zu Weihnachten und durfte sie im Schuhladen verkaufen.

Als wir dann in der 4. Kanti in Beromünster nur Kunsttheorie lernten, entbrannte in mir der sehnlichste Wunsch, wieder zu malen. So begann ich mit Wasserfarben Landschaften zu kopieren und Akttechniken aus einem Lehrmittel zu studieren.

In einem Kurs zu Beginn der 90er Jahre lernte ich bei Roger Schnider die Vorzüge echter Aquarellfarben kennen und schätzen. Seither male ich wirklich!

An der Uni belegte ich dann im Rahmen meiner Sekundarlehrausbildung u.a. das Fach „Bildnerisches Gestalten“. Hier erhielt ich den theoretisch-praktischen Hintergrund für die verschiedenen Techniken.

 

 

Du hast, im Gegensatz zu mir, dich mit dem Handwerk des Malens befasst, hast Ausbildungen besucht. Wo siehst du jetzt den Unterschied zwischen mir und dir?

Wie erwähnt, arbeite ich oft sehr intuitiv. Daher denke ich, dass der Einfluss all dieser Aus- und Weiterbildungen nur latent zum Zuge kommen. Klar, das Wissen um Kontraste, Bildaufbau oder um den Einsatz der verschiedenen Werkzeuge unterstützen mein Gestalten. Wenn ich jedoch (zu ) viel überlege, wirken die Bilder konstruiert und lassen die Lebendigkeit vermissen.

So wie du wohl auch schon viele Kunstwerke betrachtet und dennoch deine eigene Handschrift, deinen Duktus gefunden hast, so habe ich trotz der diversen Kurse und Schulen probiert, meinen eigenen Stil zu finden. Einen grossen Unterschied zwischen dir und mir (bezüglich Malen) mache ich daher nicht aus.

 

Du unterrichtest BG (Bildnerisches Gestalten). Gibt es in deinem Unterricht viele berührende, ja sogar berauschende Momente, wenn eine Schülerin oder ein Schüler so richtig über sich hinaus gewachsen ist?

BG ist das Fach, das ich am liebsten unterrichte. Hier kann ich ohne grossen Leistungsstress tolle Schülerarbeiten begleiten und bestaunen, die einfach aus purer Freude am Gestalten entstehen. Obwohl die grossen Klassen oft eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Wekren verhindern, ist es schön, dass ich meine Begeisterung für Farbe und Form weiter geben und die SchülerInnen in ihrem kreativen Schaffen fördern darf.

 

Hast du auch manchmal den unbändigen Wunsch nur noch zu malen, nur noch die eigenen Empfindungen aufs Papier zu bringen und wirst am nächsten Tag in die Realität der täglichen Arbeit gefangen genommen?

Ständig! Vor allem jetzt, im Vorfeld der Ausstellung. Seit ein paar Wochen sprudeln die Ideen. Ich erlebe das Zeichnen und Malen als gesunde Sucht, welche schon mal zu Entzugserscheinungen führen kann. Die Tätigkeit als Lehrer hat jedoch Vorrang und ist meistens sehr zeitintensiv und emotional beladen. Auch hier ist es oft schwierig, eine Arbeit zu beenden und sich nicht im Detail zu verlieren. Daher freue ich mich jeweils auf freie Zeiten, um nach draussen zu gehen, die Natur zu geniessen und ihre Farben und Formen aufzunehmen.

 

Herzlich Willkommen!!!

 

Beinahe wöchentlich entstehen in meinem Atelier und/oder draussen in der Natur neue Bilder. Die Inspirationen finde ich auf Spaziergängen durch Feld, Wald und Berge. 

 

Die  Ausstellung vom 4.-11. September 2011 in Willisau zusammen mit dem Entlebucher Künstler Kurt Erni war eine tolle Sache.

Wir bedanken uns für das rege Interesse und Ihren Besuch!

 

Nun bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum im Entlebuch, um  2012 meine (neuen) Werke zu zeigen.

 

Ueli Bieri 

 

  

  

 

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